Faschingspredigt 2006

(von Herbert Wogowitsch)

Da haben´s den Jesus angepflaumt,
„Wär er a Prophet,“ so haben´s geraunt,
„dann wüßt’ er: i derf hab´n  ka Freud!
er hätt’ gefälligst ganz bescheiden,
das Schöne und das Glück zu meiden,
tät still ertragen alles Leid!“

Ja, so was hätt gar manchen g´fall´n,
dann hätten´s scho damals können sag´n,
ohne sich dafür zu genieren:
Der hat vom Leben keine Ahnung!
den schick ma´n gleich in die Verbannung,
Den Griesgram könn ma ignorieren,

Aber die Freud, die hat er keinem g´macht,
drum, Leitln, gebt´s jetzt nur gut Acht:
Der Jesus hat zu feiern g´wusst,
hat ´gess´n, ´trunken mit die Leut
mit ihnen teilt a jede Freud,
und selbst sich gefreut an ihrer Lust!

Doch Jesus hat auch nie vergessen,
das Leben besteht nicht nur aus Essen,
nicht nur aus trinken und aus lachen!
Er wollt auch Freud´ und Hoffnung geben
grad jenen, die in diesem Leben
vom Licht nichts seh´n, dafür viel Schatten.

So hat der Jesus sich nämlich ´troffen,
mit Menschen, auch wenn sie besoffen,
mit Dieben, Gaunern, Zöllnern, Dirnen,
mit Lahmen und mit Krüppeln auch
hat er sich vollgeschlagen den Bauch.
Das ließ die Oberfrommen zürnen!

Und grad zu Festen ärm´rer Schichten
ging gern er hin, und dort, mitnichten
hat er sich dann aushalten lassen:
Er hat in´s Feiern bracht an Zunder,
behalf sich auch ´mal mit an Wunder
ließ Wein aus Wasserkrügen fassen.

Auch Kinderlärm konnt´ ihn nicht stören,
im Gegenteil, es ist zu hören,
er hat grad dann zu sich geholt
die G´schrapp´n, wenn sich wichtig g´macht
haben seine Jünger. Und mit Macht
hat er sie g´segnet! Weil´s Gott hat g´wollt!

Das hat sich auch die Jungschar dacht
und schnell a riesen Fahne g’macht
und „Gott ist Liebe“ drauf geschrieben.
Das sah der Papst, und ganz gebannt
hat er sei’ Enzyklika auch so benannt.
Was ist ihm andres übrig blieben?

Jesus hielt auch nichts von Verboten
jedoch den Sinn von den Geboten
den hat er immer hoch gehalten!
Und denen, die sich ´s wollten richten
Ließ immer wieder er ausrichten:
Wollt´s net zuerst das Hirn einschalten?

Wer frömmelt anstatt klar zu denken
Den lasst nur ja nichts Wichtig´s lenken!
Es hat noch nie mit wahrem Glauben
zu tun gehabt , wenn die Menschen hetzen,
verstecken sich hinter Gesetzen
Und Gift und Galle dabei schnauben!

Das wurmt seit je die Oberfrommen,
voll Wut sind sie zu ihm gekommen:
und haben geklagt: man sieht euch hasten
von einem zu dem nächsten Schmaus!
Wieso lebt ihr in Saus und Braus
Anstatt wie andere zu fasten?

Da ist dem Herrn der Krag´n geplatzt:
Warum habt ihr mich angepatzt?
Schon hat begonnen a neue Zeit!
Und ich sage euch, den neuen Wein
Füll ich in neue Schläuche ein!
Die Frag´ ist: Seid´s dazu bereit?

Nun schaut doch her und seht mich an:
Für sie bin ich der Bräutigam!
Und jetzt, wo wir grade Hochzeit feiern,
da müssen sich die Tische biegen,
muss Brot und Fleisch und Wein drauf liegen,
Feiert doch mit anstatt zu jeiern!

Auch meine Leut´ werden, eines Tages
Viel Grund zu Fasten haben, und ich sag es
noch einmal: Derweil ist dafür nicht die Zeit.
Denn jetzt bin ich in ihrer Mitte
Darum an alle jetzt die Bitte:
Die Zeit zum Feiern, die ist heut!

Drum feiert´s, wenn´s is Zeit zum Feiern,
Ladt´s die auch ein, die dauernd jeiern,
und reden nur von den Verboten:
Ihr selber könnt es besser machen!
Zeigt´s allen, wenn wir fröhlich lachen
Denn das hat uns der Herr geboten!

Herbert Wogowitsch