Faschingspredigt 2008 "Iwa de seligkeiten von de leit" (03.02.2008)

(von Herbert Wogowitsch)

A jeda hat so sei methode
doch mochst amoi die gegenprobe
findst glei was, was a jed´s scheniert:
am end san vüle oft frustriert.

A jeda hat so sei methode
doch mochst amoi die gegenprobe
findst glei was, was a jed´s scheniert:
am end san vüle oft frustriert.

Do is der ane, welcher gern
sei rua hat, - g´stört wüll er net wern,
am wenigsten wann wer was wül,
und solche leit kennt er vüh z´vül.

A andra findt sei seligikeit
beim bier, beim wein mit großer freid,
doch leider kommt ein neuer morgen,
mit alten und auch neuen sorgen.

Es gibt a leit, die jeden zorn
kaum dass weg´n was sans grantig word´n
mit voller wäsch glei ausselassn
die letzte kriagn´s in ´d eig´ne goschn.

i kenn a leit, die jedazeit
an fromman spruch  hab´n bereit
der kann mitunter freindlich klingan,
doch tuat a niemand weiterbringan.

a andara spült vogel strauss
und denkt si, kaum kummt irgendwas
was gegen seinen strich ihm rennt:
ihr wisst´s ja eh, was ihr mich könnt.

So hat a jeda sein rezept
zum seligsein, doch is perfekt
ka anzigs mir noch vorgekommen
drum hab ich andres unternommen:

vom selich sein auf dera wöd,
hat nämlich jesus a dazöh`t,
do brauchts ned vüh, und wer´s probiert,
der is am end a ned blamiert.

Nur is ned von der hand zu weisen
dass die, die er wollt selig preisen
net immer san damit zufrieden
was is schicksal ihnen hat beschieden

Wer wüll scho gern da teschek sei
wer wüll nur arm und hungrig sei!
wer in aller herrgotts namen
findt leiwand, wann eam d´andern gnamen.

nur weil er auf´n jesus steht,
am sunntag in die kirchen geht,
am freitag stüll sein fasten hoit
beim hussen si stets zruckahoit

Drum bin i froh, dass do am spitz
die leit verstehn an reschen witz
und auch in sachen seligkeit
herrscht da statt neid bescheidenheit:

Es macht bei uns schon äußerst selig
die leut mitunter schon recht wenig:
wenn ich in einer ganzen messe
mich über´d glocken nicht derstesse.

Die sonntagsmess´ pünktlich beginnt
die lektorenliste im jahrgang stimmt
dauert nur 5 Minuten ´d predigt,
auch das macht manchen furchtbar selig.

Wenn´s orgelspiel nach orgel klingt,
ein zweiter mann im chor mitsingt,
gibt´s wein für alle in der mette
auch das macht selig – jede wette.

Wenn scholaklang das volk erfreut
ka handy in der messe läut
auch das sind durchaus seligkeiten
doch nur zu allen heil´gen zeiten

Nach parties in dem jugendkeller
dreht georg, wenn es wird schon heller
so seine runden – nanu, keine tschick
und keine hülsen – das macht ihn selig!

Nun, selig ist er auch zu preisen:
nach münsterschwarzach kann er reisen,
um nach jahrzehnten sein als pfarrer
zu sehen manches wieder klarer:

Vielleicht wird georg wüstenvater,
papst- oder managementberater?
vielleicht schreibt er ein buch, ein g´scheites
und hat´s erfolg, auch noch ein zweites?

In einem Jahr schon seh´n wir weiter
dann san wir alle vü gescheiter.
und auch der georg wird dann wissen
welch neuen weg ihm gott gewiesen.

Auch wir werd´n dann schon sicher wissen
wer uns als pfarrer zugewiesen.
dass wir net g´fragt werd´n, freut uns wenig,
hoff ma, wir werden trotzdem selig.

Beim reisen steht mir ´s klag´n nicht zu,
ich fahr ja zu die känguru
was ich seit dreißig jahr´n schon wollte
und mich d´rum selig machen sollte.

Nun, auch der papst fährt nach down under,
um selig z´werd´n? Vielleicht verstand er
den ruf von outback und uluru,
und kommt zurück als großer guru?

Auch ich sollt herbstens wiederkommen,
i wass net, ob des freut die frommen?
i wass net, ob es freut die ketzer
i wass nur ans: i kumm als letzter.

Doch kaner kann genau schon sagen
was sein wird in 200 tagen,
ausser: martina kommt schon im april
im august geht liesl, weil sie´s will.

Und wer im herbst als chef hergehd,
und pfarra wird – wia wiss´n ´s ned
wir wissen nicht, was sich bewegt
ob´s selig macht?  – ob´s d´leut aufregt?

Da neiche wird ka georg sei,
da red ma uns a gar nix ein,
s´is grad da grund, warum er geht:
damit a neicher wind da weht.

so wiss ma alle nix genaues
und doch: die hoffnung lebt, so heißt es.
hofft lieber mehr, anstatt zu wenig
ois wissen, des macht a net selig!

(Herbert Wogowitsch)